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Der Bio-Dschungel


Ist Bio nun besser oder nicht?

Für mich ist der Griff zu Biolebensmitteln eine Form von Prioritäten setzen, denn hier geht es nicht alleine um mich, obwohl das alleine eigentlich schon genügen sollte. Vielmehr geht es darum die Umwelt und die Artenvielfalt zu erhalten. Die konventionell angebaute Landwirtschaft düngt mit chemischen Mineralstoffen und schränkt somit die Artenvielfalt ein, sie „schützt“ ihre Pflanzen mit Pestiziden, die nicht nur die Böden, Insekten wie Bienen, sondern auch das Grundwasser vergiften. Die Grundbedürfnisse der Tiere werden in allen Belangen missachtet. Durch die Massentierhaltung entstehen Emissionen, fast 90% allein durch Tierzucht - vor allem durch Rinder- und Milchkühe. Ein schneller Weg zu hohen Erträgen in der konventionelle Landwirtschaft ist die Monokultur. Auf grossen Feldern werden besonders ertragreiche Nutzpflanzen, wie Mais, Reis, Weizen und Soja angebaut und über 90% als Futtermittel für die Nutztiere eingesetzt.




Ziele der ökologischen Landwirtschaft:


  • Ein wirtschaften im Einklang mit der Natur

  • Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit

  • „Artgerechte“ Tierhaltung

Ausserdem tragen Biolebensmittel einen wichtigen Teil zur Gesundheit bei, denn sie enthalten mehr sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidanzien, weniger unerwünschter Zusatzstoffe und Pestizidrückstände.



Dennoch ist Bio nicht gleicht Bio!


Bio ist sicherlich in vielen Punkten besser, z.B. in Bezug auf Pestizid-Belastung in der Umwelt, Erhalt und Förderung der Artenvielfalt durch Verzicht auf chemischen Dünger, dem Verbot von Gentechnik und der Tatsache dass nur 50 von 320 Zusatzstoffen in verarbeiteten Lebensmitteln erlaubt sind. Auch im Bereich der Tierhaltung werden gerade bei den Bio-Anbauverbänden Dinge besser gemacht als anderswo.


Aber: es gibt immer noch dreifach in Plastik eingewickeltes Gemüse, Bio-Eier aus dem EU-Ausland, Bio-Schlachttiere werden quer durch den Kontinent gefahren, Futtermittelimporte aus Entwicklungsländern… Bio bedeutet kein Bild wie in der Werbung!


Ausserdem: gerade kleinere, regional agierende Betriebe können sich die Kosten für die Bio-Zertifizierung und jährliche Kontrollen häufig nicht leisten. So kann es sein, dass diese Betriebe ohne Siegel wirtschaften und z.B. in Bezug auf Tierschutz mehr umsetzen als grosse Bio-Betriebe.


Ich finde, eine Garantie für einen Konsum ohne schlechtes Gewissen sind Bio Siegel nicht, aber dennoch sind für mich - gerade die Produkte der Anbauverbände - ein Richtweiser im Alltag.



10 Gründe für den Kauf von Bio-Lebensmitteln

  1. Bio-Anbau schützt das Grundwasser und die Böden

  2. Bio schmeckt besser und hat einen deutlich höheren Nährstoffgehalt

  3. Bio verzichtet auf Gentechnik

  4. Bio-Landwirtschaft schont Ressourcen und das bedeutet Klimaschutz

  5. Bio-Lebensmittel müssen ohne billige Hilfsstoffe wie künstliche Aromen auskommen

  6. „Bio“ steht für „Transparenz" d.h. vollständige Deklaration aller Inhaltsstoffe

  7. Bio ist Bienenfreundlich, Bienen werden nicht vergiftet durch Pflanzenschutzmittel

  8. Bio steht für mehr Tierwohl

  9. Bio fördert die Artenvielfalt, auch die Vielfalt der Lebensräume

  10. Bio steht für fairen Handel, respektvollem Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt


EU-Biosiegel, Anbauverbände und Co


Es gibt deutliche Unterschiede zwischen dem EU-Biosiegel und den deutschen Bio-Anbauverbänden wie Demeter, Biokreis, Bioland und Naturland. Die Richtlinien der Schweizer-Bioverordnung gleichen der des EU-Biosiegels.


Die Schweizer Label Bio Knospe und Bio Swiss Knospe heben sich deutlich vom EU-BioStandard ab und gleichen denen der Anbauverbände. Die Eigenmarke von Coop, Naturaplan, zertifiziert seine Produkte nach den Bio Suisse-Richtlinien. Auch das Bio-Label von Manor, «Bio natur plus», entspricht den Bio Suisse-Vorgaben und die Ansprüche an Produktion wie Endprodukt sind identisch. Für inländische Produkte gilt bei Migros Bio ebenfalls der Knospe-Standard. Bei Lebensmitteln aus dem Ausland sieht es aber anders aus. Hier werden nur die in der EU geltenden Anforderungen an die Bio-Produktion erfüllt, die laut greenpeace.org deutlich unter denen von Bio Suisse liegen.


In ihren Anforderungen gehen die deutschen Anbauverbände und die Schweizer Bio Knospe teilweise beträchtlich über die EU-Ökoverordnung hinaus. So erlaubt die Knospe bspw. weniger Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe als die EU- oder die Schweizer Bio-Verordnung (etwa zwei Drittel davon). Vorschriften für Verfahren (schonende Verarbeitung), für Verpackungsmaterial, für Schädlingsbekämpfungsmassnahmen gibt es bei der Knospe, bei CH-Bio allerdings nicht. Kriterien wie Biodiversität, Wasserverbrauch, Nachhaltigkeit, Fair Trade und Sozialstandards werden von Produkten, welche nur die Bio-Verordnung erfüllen, nicht oder nur teilweise abgedeckt. Allgemein werden Knospe-Rohstoffe nach weit strengeren Vorschriften erzeugt. Insbesondere bei der Tierhaltung sind die Ansprüche deutlich höher, betrachtet man alleine den Tierbesatz pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Auch sind hier herkömmliche Futtermittel nur in ganz geringen Mengen bis gar nicht erlaubt.


Ein Vergleich auf labelinfo.ch zeigt die Unterschiede deutlich. Die gängigen Schweizer Label schneiden fast durchweg mit «ausgezeichnet» oder «sehr empfehlenswert» ab. Hingegen es die EU-Siegel lediglich auf ein «bedingt empfehlenswert» schaffen.



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